Ausbildung

Die Ausbildung dauert etwa 6-9 Monate und beginnt mit der Eingewöhnung des Hundes in das bestehende Rudel. Meine neuen Schützlinge bekomme ich aus Patenfamilien, von Züchtern und Privatpersonen mit ca. 12-20 Mon.. Manchmal, wenn es meine Zeit zulässt ziehe ich auch selber einen Welpen groß. Da ich nicht auf bestimmte Rassen fixiert bin, habe ich oft ein bu,ntes Rudel aus Schäferhunden, Labrador- und Golden Retrievern oder deren Mischlingen, auch Exoten wie Australian Shepherd, Border Collie, Airedale Terrier und natürlich meinen Logo-Hund den Weißen Schäferhund!

Ist der Hund integriert, fange ich sofort mit dem Training im Geschirr an, d.h. er muss lernen, im Geschirr einfach geradeaus zu laufen. Das hört sich einfach an, ist aber in der Tat das Schwierigste. Hunde laufen von sich aus niemals, wie an einer Schnur gezogen, geradeaus. Ohne schnuppern, ohne hin und her zu schauen, ohne Kontaktaufnahme zu Artgenossen und Artfremden.

Da der Hund im Führgeschirr ziehen muss verzichte ich vorab auf Gehorsamstraining, es ist nicht förderlich einem Hund das Ziehen an der Leine zu verbieten und einen Tag später eben dieses Verhalten im Geschirr zu verlangen. Es ist eben doch nur ein Hund. Eine wichtige Tatsache die man während der Ausbildung (egal welcher Art) nicht vergessen darf. 

Wenn "der Neue" diese erste Hürde genommen hat, beginne ich mit dem Anzeigen der Bordsteinkanten und umlaufen/anzeigen von Boden- und Seitenhindernissen.
Danach gehen wir wieder einen Schritt zurück und trainieren noch einmal Bordsteinkanten, diesmal unter Ablenkung, meist in einem etwas belebteren Nachbarort. Oft fließen dann auch schon Höhenhindernisse mit ein. Bevor der Schüler kastriert wird, versuche ich gerne noch die Ampeln ins Training mit einzubringen.

Nach dem Eingriff hat der Hund 10 Tage Ruhepause, bis nach dem Fäden ziehen das Training wieder aufgenommen wird. Im Allgemeinen ist die Kastration ein komplikationsloser Eingriff, den die meisten Hunde ohne Schaden überstehen.

Wenn wir dann weiter machen, wiederholen wir im Schnellverfahren noch einmal das bis dahin Gelernte, schauen was noch hängen geblieben ist und bauen Verlorengegangenes wieder auf.

Dann werden die Übungen schwieriger und vor allem länger. Am Anfang arbeite ich meinen Hunden vielleicht 10 Minuten. Aber mit der Zeit schafft ein gut vorbereiteter Hund auch zwei Stunden. Natürlich nur mit meiner Hilfe und nur bei schwankenden Anforderungen. Kein Hund kann hochkonzentriert, so lange fehlerfrei arbeiten.

Hinzu kommen dann noch die zu suchenden Ziele:

 

Treppen,

 

 

Wege,

Rocky zeigt die Treppe und beginnt den abstieg. Rocky am ende der Treppe. Norten sucht einen Weg auf dem Markt in Menden.

 

Eingänge,

   
Norten such einen Eingang Norten geht in den Eingang.  

 

Ausgänge,  

   
Norten hat den Ausgang gefunden und geht hindurch. Norten führt mich aus dem Geschäft.  

 

Box,

 

 

Bank/Busbank, Schalter.

Arthus sucht iner der Fussgängerzohne in Menden einen Briefkasten/Box Arthus hat die Box gefunden. Rochy zeigt eine Bank / Sitzgelegenheit an


Und selbstverständlich werden die Orte an denen wir arbeiten immer anspruchsvoller. Angefangen in Deilinghofen über Hemer, Lendringsen nach Menden und Iserlohn bis nach Hagen und Dortmund. Immer wenn ich eine Einarbeit habe, nehme ich den nächsten fast fertigen Hund mit, und trainiere so überall in ganz Deutschland. Eine sehr schöne Facette in der Blindenführhundausbildung.

Natürlich wird während der ganzen Zeit immer wieder das Umlaufen und Anzeigen aller möglichen Hindernisse trainiert.
Seien es Pfützen oder lose Gegenstände auf dem Gehweg, zu niedrige Baustellenschilder, Fähnchen und Aufsteller in der Fußgängerzone, Fahrräder oder einfach ein Umlaufen eines vom lieben Nachbarn nicht geschnittenen Tannenzweiges und nicht zu vergessen das sichere Führen durch Umlaufsperren und Umlaufen von Baustellen auf der Straße. Zusätzlich zu allen Hindernissen die ich hier nicht nenne, weil es unendlich viele gibt.

Aika zeigt eine Schranke an. Aika umläuft die Schranke. Aika führt herum. Geschafft
Auf dieser Bilderserie zeigt Aika, wie ein Führhund eine    Schranke umläuft.

Die Welt ist nicht im Ansatz barrierefrei.

Ein weiterer kniffliger Punkt in der Blindenführhundausbildung ist sicherlich die Ablenkbarkeit der Hunde.
Alles ist spannend und interessant. Andere Hunde, Kinder, Tauben, Katzen, Enten, Hühner, Futter, Futter, Futter... auch hier ist die Liste unendlich, denn das Leben ist so...- lebendig!

Schön ist, dass ein Hund durchaus übertragen kann, d.h. wenn er gelernt hat, dass er nicht nach Hunden schauen soll, dann weiß er meist auch dass die anderen interessanten Dinge, im Geschirr, tabu sind. 

Nach der Arbeit kann und muss der Blindenführhund natürlich Kontakt haben zu allem was sein Umfeld zu bieten hat. Er braucht Bewegung ohne Leine und Spiel mit anderen Hunden, denn es ist eben ein Hund!

Zum Ende der Ausbildung, mache ich immer ein paar Blindgänge in Begleitung einer sehenden Person um die Fähigkeiten der neuen "Führhundgeneration" zu überprüfen.

Und dann, ist er oder sie fertig und der Abschied naht...

Lassen Sie mich an dieser Stelle noch einmal die immer wieder gestellte Frage beantworten: Tut es Ihnen gar nicht weh, wenn sie einen Hund abgeben? Ich kann nicht in Worten beschreiben was das für ein Schmerz ist, er ist "unbeschreiblich".

Einzig gemildert und genommen durch die Liebe des künftigen Führhundhalters zu meinem Hund. Zu wissen da ist jemand der ihn dringender braucht und ihm alles das geben wird, was er bei mir bekommen hat, und mehr.
  

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